Zusammenspiel - Stift Zwettl - Internationale Konzerttage

Konzertfestival
im Stift Zwettl

2.—10. Juli
2022

Stiftskirche

Die historische Stiftskirche „Maria Himmelfahrt“, ursprünglich ein mittelalterlicher Bau, sorgfältig erweitert über mehrere Epochen. 

Die Legende erzählt von einem Baum, der am Neujahrestag 1138 am heutigen Hochaltarstandort ergrünte, wo zuvor eine geschnitzte Eiche stand. Erstmals geweiht im Jahre 1159. In den Jahren 1343-1348 und 1360-1383 zur Zeit der Gotik großzügig erweitert. 

Besondere Wahrzeichen sind der 1722 errichtete Westturm und die prachtvolle, barocke Egedacher Orgel, die im Jahre 1731 vollendet wurde. 

Celebration of Life in Death

Stiftskirche

02.07.2022
15.00

Hoffnung und Trauer in Zeiten der Pandemie

Musik vom Mittelalter über Renaissance und Barock bis zur Gegenwart (u.a. Oswald v. Wolkenstein, Henry Purcell, Dietrich Buxtehude und Leonhard Cohen)

Anna Prohaska – Sopran
La Folia Barockorchester
Robin Peter Müller – Leitung und Violine

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Mit Celebration of Life in Death legt die Sopranistin Anna Prohaska bei Alpha nach Redemption zum zweiten Mal ein Album vor, dass sich mit dem Thema der Pandemie in Vergangenheit und Gegenwart beschäftigt. War die erste Einspielung ganz auf Arien, Chöre und Choräle aus Kantaten von Johann Sebastian Bach fokussiert, so bietet die neue Produktion eine Art „Stimmungsreise“ durch die Jahrhunderte, deren älteste Stücke aus dem 14. und deren neueste aus dem 20. Jahrhundert stammen. Neben Musik des Mittelalters und aus dem englischen und italienischen Barock sind dabei auch Volkslieder aus Frankreich, Österreich und Deutschland, schließlich zwei Songs von den Beatles und Leonard Cohen zu finden. Als künstlerische Partner wählte Prohaska die Musiker des La Folia Barockorchesters, mit dem die Sängerin bereits das Programm Glorious Revolution erarbeitet hatte. An dem Ensemble und seinem künstlerischen Leiter Robin Peter Müller schätzt Prohaska die stilistische Versatilität, den freien und spontanen Geist des Musizierens und die ausgeprägte Fähigkeit zur Improvisation. Gerade die aus dem Mittelalter stammenden Stücke nämlich sind zum Teil nur in fragmentarischer Notation überliefert. So entstanden viele der hier vorliegenden Arrangements erst in der Proben und Aufnahmephase. Für diese wurde den Künstlern der für seine hervorragende Akustik bekannte historische Reitstadel in Neumarkt in der Oberpfalz zur Verfügung gestellt. Als hilfreicher Unterstützer des Projekts erwies sich Ernst-Herbert Pfleiderer, der als Künstlerischer Leiter und Vorstandsvorsitzender des 1981 von ihm gegründeten Vereins der Neumarkter Konzertfreunde amtiert. Hier wurde die Musik des Albums in oftmals bis in die Nacht ausgedehnten Zusammenkünften arrangiert, geprobt und eingespielt. Angeregt von Egon Friedells Kulturgeschichte der Neuzeit hatte sich Anna Prohaska mit dem Thema des „schwarzen Todes“, der Pest also, schon vor dem Beginn der Corona-Krise beschäftigt. Der Pest-Ausbruch in der Mitte des 14. Jahrhunderts gilt als das erste umfänglich dokumentierte Ereignis der Pandemie-Geschichte, als deren Zeitgenossen auf dieser CD die Komponisten Guillaume de Machaut und Lorenzo da Firenze auftreten. Die Texte der Aufnahme thematisieren zusätzlich Krisen wie Kriege als Brandbeschleuniger auch von Massenkrankheiten, die Nöte der armen Menschen, das stille Elend der Vereinsamung und führen mit Leonard Cohens Hallelujah in die Zeit der Aids-Krise.

Während sich in den emotionalen Reaktionsweisen auf die Pandemie zwischen dem Mittelalter und der Gegenwart erstaunliche Parallelen finden lassen, bestand der wesentliche Unterschied doch in der damaligen Ahnungslosigkeit im Hinblick auf die Ursachen der Krankheit. So war in einer vom französischen König in Auftrag gegebenen Studie der Pariser Universität von 1348 zu erfahren, eine ungünstige Konstellation der Himmelskörper habe die Luft auf der Erde verpestet. Als ungleich wirkungsmächtiger erwies sich die religiöse Deutung, derzufolge die Krankheit als göttliche Strafe für die Sünden der Menschheit dargestellt wurde. In diesem Sinne eröffnet der Hymnus „Dies irae dies illa“ (Tag der Rache, Tag der Sünden) in der mittelalterlichen Sequenz-Vertonung das Album. Wenn darauf unmittelbar das französische Volkslied „J’ai vu le loup“ antwortet, in dem dasselbe musikalische Material in parodistischer Absicht aufgegriffen wird, ist ein charakteristischer Tonfall der Aufnahme angeschlagen: Unmittelbar begegnen sich in der Konstellation der Werke religiöse und weltliche Haltungen, die Vertröstungen auf das Jenseits und die Beharrungskraft im Hier und jetzt.

Literaturgeschichtlich besonders einschlägig ist das von Boccacios Decamerone illustrierte Modell des Eskapismus, in der sich privilegierte Bürger auf einem Landgut vor der Pest in Sicherheit bringen und sich mit der Erzählung von anzüglichen Geschichten die Zeit vertreiben. Für die in jeder Krise einschlägige Devise „Jetzt erst recht“ steht der römische Kaiser Eliogabalo, der für seine Ausschweifungen und Orgien berüchtigt war. In der frühen Purcell-Arie „Since the Pox or the Plague“ wird hingegen der Entschluss mitgeteilt, angesichts der in London grassierenden Geschlechtskrankheiten auf die Freuden der körperlichen Liebe zu verzichten, um sich lieber Männerfreundschaften und dem Alkohol hinzugeben. Das Stück gipfelt in diesem Album im Gelächter und einer musikalischen Party, an der sich auch die Instrumentalisten mit ihren Stimmen beteiligen. Zu den stilistischen Kontrasten des Albums zählt auch der zwischen kunstvoller Barockmusik und dem von Lebenserfahrung gezeichneten „Volksmund“. Das berühmte österreichische Volkslied „Oh du lieber Augustin“ reagiert mit auch musikalisch deftigem Galgenhumor auf die Katastrophe. In ihm stehen die Zeilen: „Jeder Tag war ein Fest,/Und was ist jetzt? die Pest! / Nur ein groß’ Leichenfest, / Das ist der Rest.“ In dieser Einspielung wird der Trost, den religiöse Musik gerade dem trauernden Kollektiv geben kann, sehr ernst genommen: Etwa in Oswald von Wolkensteins hoch expressiver Anrufung der heiligen Jungfrau aus dem 15. Jahrhundert, die in der hier vorliegenden Version sparsam von Flöte und Glockenklängen begleitet wird. Oder in den ergreifenden Gesängen von Dietrich Buxtehude und dessen Schwiegervater Franz Tunder. Tunders Vertonung von „Ach Herr, laß Deine lieben Engelein“ – Bach legte denselben Text dem Schlusschoral seiner Johannespassion zugrunde – malt in der letzten Strophe die Freuden der Auferstehung im beflügelten Dreiertakt als Vorschein der Irdischen aus. Dass aber auch säkular der Verstorbenen gedacht werden kann, zeigt Paul McCartneys ebenso lakonisch gesetzter wie zu Herzen gehender Song Eleanor Rigby: „Look at all the lonely people.“ McCartney erfand den Namen der Titelheldin als Zeichen für die so zahlreichen „unbesungenen“ Schicksale der Vereinzelten und Einsamen. Am Ende der Aufnahme werden noch einmal zwei Grundmotive des Albums einander gegenübergestellt: In unmittelbarem Anschluss an Buxtehudes Absage an „der schnöden Welt Getümmel“ erklingt, in einem Arrangement des Gambisten Robert Smith, Leonard Cohens „Hallelujah“, ein gänzlich irdisches Hohelied auf die Liebe.

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Festgottesdienst

Stiftskirche

03.07.2022
09.30

Ludwig Güttler, Thomas Irmen – Trompete/Corno da caccia
Friedrich Kircheis – Orgel


Der Eröffnungsgottesdienst und die anschließende Matinee sind eine Gelegenheit, Danke zu sagen. Danke an Ludwig Güttler für seinen immensen Verdienst für das Stift Zwettl und das Festival! Und danke an alle treuen Zuhörer*innen und Stammgäste, die dem Festival und Güttler so lange treu geblieben sind.
Mit seiner Matinee endet auch Güttlers aktives Engagement für das Sommerfestival im Stift Zwettl. Ein wahrlich herzlicher Abschied! Möge die Begeisterung aller auch in Zukunft weiter brennen!

Ein herzlicher Abschied!

Stiftskirche

03.07.2022
11.00

Matinee im Anschluss an den Gottesdienst

Ludwig Güttler, Thomas Irmen – Trompete/Corno da caccia
Friedrich Kircheis – Orgel

Der Eröffnungsgottesdienst und die anschließende Matinee sind eine Gelegenheit, Danke zu sagen. Danke an Ludwig Güttler für seinen immensen Verdienst für das Stift Zwettl und das Festival! Und danke an alle treuen Zuhörer*innen und Stammgäste, die dem Festival und Güttler so lange treu geblieben sind.
Mit seiner Matinee endet auch Güttlers aktives Engagement für das Sommerfestival im Stift Zwettl. Ein wahrlich herzlicher Abschied! Möge die Begeisterung aller auch in Zukunft weiter brennen!

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Festgottesdienst
mit Matinee

Stiftskirche

10.07.2022
10.15

Wofgang Kogert an der Egedacher-Orgel

Die Egedacher-Orgel des Stiftes Zwettl war schon immer und ist jetzt umso mehr das Herzstück des Festivals und des musikalischen Lebens im Stift Zwettl. Dementsprechend erklingt sie im Rahmen des Festivals – gespielt von international anerkannten Künstler*innen.

Wolfgang Kogert ist unser „Gast-Organist“ 2022. Der österreichische Organist ist einer der namhaftesten Interpreten unseres Landes, der sich besonders der „alten“ und „neuen“ Musik verschrieben hat.
Er ist Organist der Wiener Hofburgkapelle, spielte zahlreiche Uraufführungen der großen Gegenwartskomponisten, tritt regelmäßig mit dem Radiosymphonieorchester Wien auf und ist Professor für Orgel an der Universität Mozarteum in Salzburg. Unter anderem war er auch an den Musikhochschulen Detmold und Freiburg als Professor tätig.

Gran Finale

Stiftskirche & Abteihof

10.07.2022
16.30

Geballte Kraft von 17 Blechbläsern und 3 Schlagwerkern

Vienna Brass Connection
Wolfgang Kogert an der Egedacher-Orgel

Musik, die einen durch alle Aggregatzustände befördert.

Geballte Kraft von siebzehn Blechbläsern und drei Schlagwerkern, gebündelt auf das Einzige, was zählt: Der Moment. Jetzt und hier.

Bei dieser Musik werden Sie vom Beginn des Konzertes bis zur letzten Note alles andere vergessen. Mehr geht nicht. Die ausgesuchten Musiker geben alles. Aber nicht alles, was von der Bühne kommt, ist Fortissimo. Auch ruhige, intime und epische Momente sind wichtige dramaturgische Eckpfeiler des Abends.

„Wenn das Flügelhorn klingt wie ein scheues Eichkätzchen, wenn die Posaunen mit den Trompeten die Luft mit messerscharfen Salven zu Streifen schneiden und im nächsten Moment beschwichtigend auf das soeben gezüngelte Klangfilet einwürzen, wenn Hörner noch Hörner tragen dürfen, wenn die Tuba so richtig Tuba sein kann, wenn das Schlagwerk nicht nur zum Niederstreichen und Nachschlagen gedemütigt ist, wenn zwei Stunden Musik gemacht wird, mit der man nicht annähernd rechnet, Musik, die einen durch alle Aggregatzustände befördert, dann ist von der Vienna Brass Connection die Rede. Herrliche Stücke, anspruchsvolle Arrangements, kompetent und intelligent von Johannes Kafka geleitet und hervorragend interpretiert von jedem einzelnen Musiker des Ensembles.“ - Leonhard Paul, Mnozil Brass

Weltoffen, vorurteilslos, unvoreingenommen und aufgeschlossen – das ist die Lebenseinstellung der Musiker der Vienna Brass Connection und das zeigt sich auch in ihrer Musik.

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